Handbuch/ Anleitung

Anleitung zur Planung und Durchführung von Planspielen und strukturierten Besprechungen

Das Planspiel

Ein Planspiel ist eine strukturierte Ausbildungs- und Übungsmethode, bei der reale Einsatz- oder Führungslagen vereinfacht und abstrahiert dargestellt werden. Abläufe, Entscheidungen und Wechselwirkungen werden dadurch sichtbar und nachvollziehbar, ohne den Aufwand einer Real- oder Vollübung.

Planspiele werden auch in Feuerwehr- und Rettungsdienstschulen eingesetzt und haben sich dort als wirkungsvolles Ausbildungsmittel bewährt. In der Praxis werden sie jedoch vergleichsweise selten genutzt, da ihre Vorbereitung häufig als aufwendig wahrgenommen wird und professionelle Materialien teuer und sperrig sind. Dabei lassen sich Planspiele mit überschaubarem Aufwand sehr einfach umsetzen und flexibel an Ausbildungsziel, Teilnehmerkreis und Komplexitätsgrad anpassen und in die Dienstabende integrieren.

Der Schwerpunkt liegt nicht auf einem „richtigen Ergebnis“, sondern auf dem Verständnis von Zusammenhängen, der Entscheidungsfindung und der anschließenden gemeinsamen Reflexion.

Was benötige ich für ein Planspiel?

Teilnehmerkreis

Ein Planspiel richtet sich immer an einen klar definierten Teilnehmerkreis. Dieser kann vom Einzelnen im Selbststudium bis hin zu größeren Gruppen im Rahmen von Ausbildung oder Unterricht reichen. Entscheidend ist weniger die Anzahl der Teilnehmenden als deren Erfahrungs- und Wissensstand.

Der Komplexitätsgrad des Planspiels sollte so gewählt werden, dass die Teilnehmenden weder unter- noch überfordert werden. Ziel ist es, dass die Beteiligten kognitiv arbeiten, Zusammenhänge erkennen, Entscheidungen treffen und diese im weiteren Verlauf reflektieren können.

Szenario/ Thematik

Das Szenario bildet den inhaltlichen Rahmen des Planspiels. Es orientiert sich an realistischen Einsatz- oder Führungslagen und sollte an den vorgesehenen Teilnehmerkreis sowie das Ausbildungsziel angepasst sein. Das Szenario muss dabei nicht vollständig oder maximal detailliert ausgearbeitet sein, sondern lediglich die notwendigen Informationen liefern, um Entscheidungen und Handlungen zu ermöglichen.

Je nach Zielsetzung kann das Szenario sehr einfach gehalten oder komplex gewählt werden. Wichtig ist, dass die Lage nachvollziehbar bleibt und den Teilnehmenden Raum für eigenständiges Denken, Priorisierung und Entscheidungsfindung bietet.

Ausbildungsziel

Das Ausbildungsziel definiert, welchen Schwerpunkt das Planspiel haben soll und welche Inhalte vermittelt, vertieft oder überprüft werden. Es gibt dem Planspiel eine klare Richtung und dient als Maßstab für Aufbau, Ablauf und Auswertung.

Ausbildungsziele können sich auf fachliche Abläufe, Führung und Entscheidungsfindung, Kommunikation, Zusammenarbeit oder das Verständnis von Strukturen und Zuständigkeiten beziehen. Dabei sollte das Ziel klar benannt und realistisch gewählt werden, sodass es innerhalb des vorgesehenen Rahmens erreicht werden kann.

Ein klar formuliertes Ausbildungsziel hilft dabei, das Planspiel zielgerichtet zu steuern und die anschließende Nachbereitung auf die wesentlichen Erkenntnisse zu fokussieren.

Planspiele eignen sich auch für Briefings und Debriefings, bei denen keine kreative Aufgabenlösung im Vordergrund steht. In diesem Rahmen dient das Planspiel als unterstützendes Kommunikationsmittel, um Abläufe, Entscheidungen und Wahrnehmungen aus unterschiedlichen Sichtweisen darzustellen.

Durch die gemeinsame Betrachtung der Lage lassen sich Informationen strukturieren, Zusammenhänge verdeutlichen und Missverständnisse vermeiden. Das Planspiel trägt dabei die Kommunikation und schafft eine gemeinsame Grundlage für Austausch und Einordnung, ohne den Anspruch einer vollständigen Einsatzsimulation zu erheben.

Benötigtes Material

Für die Durchführung eines Planspiels ist kein spezielles oder aufwendiges Material erforderlich. Bereits mit einfachen Mitteln lassen sich Lagen verständlich darstellen und Abläufe nachvollziehbar abbilden. Stift und Papier genügen, um Einsatzräume, Fahrzeuge, Kräfte oder Strukturen zu skizzieren. Durch Ausschneiden und Beschriften können einzelne Elemente flexibel bewegt und verändert werden.

Mit Schere sowie einfachen Hilfsmitteln wie Klebeband, Kreppband oder Pflasterband lassen sich Markierungen, Abgrenzungen oder improvisierte Modelle herstellen. Auch diese sehr einfache Form der Darstellung ist ausreichend, um Entscheidungen, Kommunikation und Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Der Einsatz von Modellen oder weiterem Material kann die Darstellung unterstützen, ist jedoch keine Voraussetzung. Entscheidend ist nicht das eingesetzte Material, sondern die methodische Nutzung des Planspiels und der gemeinsame Austausch darüber.

Moderation

Ein Planspiel lebt von seiner Dynamik und Entwicklung. Die Moderation übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Sie steuert den Ablauf, wahrt die Rahmenbedingungen und passt Komplexität, Zeitansatz und Informationsfluss an den Verlauf des Planspiels an. Dadurch bleibt die Lage fordernd, aber beherrschbar.

Der Moderator kann unterstützend eingreifen, durch schwierige Problemfelder leiten oder die Anforderungen gezielt erhöhen, wenn das Szenario zu einfach wird. Gleichzeitig dient er als zentraler Ansprechpartner, vergleichbar mit einer Leitstelle oder Führungsfunktion, und bündelt die Versorgung der Teilnehmenden mit Informationen, Ereignissen und verfügbaren Ressourcen.

Darüber hinaus hilft die Moderation dabei, wesentliche Aspekte des Szenarios herauszuarbeiten und den Blick der Teilnehmenden auf relevante Zusammenhänge zu lenken. Eine besondere Verantwortung liegt darin, Entscheidungen, Fehler und positive Ansätze aufmerksam zu beobachten und zu dokumentieren. Diese Beobachtungen bilden die Grundlage für eine strukturierte Nachbesprechung.

Ein Planspiel ist grundsätzlich auch ohne Moderation möglich, verliert jedoch deutlich an didaktischem Wert. Eine fachlich vorbereitete Moderation, die das Szenario kennt und versteht, ermöglicht eine reflektierte Auswertung, bei der sowohl Fehler als auch gelungenes Handeln sachlich aufgegriffen und in den Ausbildungsprozess zurückgeführt werden.

Ein Beispiel

"Tom" möchte den nächsten Dienstabend seiner Ortsgruppe nutzen, um die Aufgaben während der geplanten Evakuierung des örtlichen Pflegeheimes nächste Woche zu erarbeiten. Er hat 7 ehrenamtliche Helfer unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Einsatzerfahrung dabei. Ein frischer Gruppenführer, junge Rettungssanitäter und altgediente KatSchutz-Helfer. Er möchte, dass die Gruppe selbstständig einen Bereitstellungsraum in Betrieb nimmt und unterhält. Dazu dürfen die verbandseigenen Kräfte und Fahrzeuge (1x ELW, 1x MTW, 1x KTW) frei genutzt werden. Das Planspiel soll 30 Minuten dauern, anschließend kommt eine Auswertung.

Aufgabenstellung & Rahmenbedingungen

Klarer Rahmen

Tom formuliert seiner Gruppe einen klaren Ablauf und einen zeitlichen Rahmen. Die Aufgabe ist realitätsnah und lässt die Gruppe um ein gemeinsames Ziel arbeiten. Erfahrene Gruppenmitglieder können mit Expertise dienen, junge Führungskräfte können sich ausprobieren und vollig frei Fehler machen.

30 Min. + funktionierender Bereitstellungsraum

Moderation & Beobachtung

Immersion

Durch die massig vorbereiteten Schablonen und das aufgebaute Szenario von Tom und das selbstständige Organisieren anhand einer Aufgabe verliert sich die Gruppe in der Mission und beginnt sich im Szenario aufzuhalten und zu arbeiten. Rollen werden verteilt und es bildet sich ein Arbeitsablauf. Wie von Tom beabsichtigt kann er Stress verursachen und auch nehmen. Fehler werden gemacht und ohne Anweisung behoben, weil das nächste Fahrzeug schon kommt. Tom beobachtet aufmerksam wie seine Gruppe sich organisiert und kann Fehler, Fragen und Lob als neutraler Beobachter festhalten. Er erkennt Stärken und Schwächen seiner Helfer.

Die Gruppe ist im Planspiel

Auswertung & Reflektion

Nachbereitung

Nach 30 Minuten wird das Planspiel beendet. Das Szenario wird nochmal frisch aufgebaut und Phase für Phase nachgestellt. Tom kann Kritik und Fragen aus seinen Mitschriften vorbringen und sich die Gedankengänge seiner Helfer erklären lassen. Jeder Helfer kann dem Gesagten folgen, bei Fragen können Modelle umhergeschoben werden und alle reden vom Gleichen. Schwächen und Stärken können gezielt nachbesprochen werden.

Ausbildung erfordert Nachbereitung

Auf ein Wort

Planspiele können einen Dienstabend vollständig tragen, Inhalte vermitteln und bestehende Ausbildungsformen sinnvoll ergänzen. Sie ermöglichen es, Abläufe, Zuständigkeiten und Entscheidungen gemeinsam zu erarbeiten und ein gemeinsames Lageverständnis zu entwickeln. KatSchutzKatz ist sich der Wirkung dieses Konzepts bewusst und von seinem Nutzen überzeugt. In der ehrenamtlichen Praxis wurden Planspiele wiederholt mit positiven Erfahrungen eingesetzt.

Gleichzeitig ersetzen Planspiele keine praktische Ausbildung. Abläufe und Handgriffe lassen sich nicht am Tisch erlernen. Das fachliche Handwerk entsteht durch Übung, Wiederholung und praktische Arbeit – mit Zeit, Aufwand und Einsatz. Nur so sitzen Handgriffe, nur so entsteht Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe.

Planspiele verstehen sich daher ausdrücklich als ergänzendes Ausbildungsmittel. Sie schaffen Verständnis, strukturieren Denken und bereiten auf Praxis vor, ersetzen diese jedoch nicht. In der Verbindung aus praktischer Ausbildung und methodischer Vorbereitung liegt ihr eigentlicher Mehrwert.